8.1. Was ist oraler Galvanismus überhaupt?
Oraler Galvanismus beschreibt elektrische Mikroströme, die entstehen können, wenn unterschiedliche Metalle im Mund über Speichel miteinander verbunden sind. Dies wird v. a. bei Kombinationen aus Metallen mit großem elektrochemischem Potentialunterschied beobachtet (z. B. Amalgam vs. Gold).
Typische Beschreibungen:
- metallischer Geschmack
- Mundbrennen
- Kopfschmerzen
- allgemeines Unwohlsein
8.2. Warum wird Galvanismus als Argument gegen Galvanoteleskope genannt?
Ein häufiges Argument stammt aus älteren Publikationen, in denen Galvano-Technik kritisch bewertet wurde, teils sogar als „biologischer Rückschritt“.
Diese Kritik wurde u. a. durch Prof. Niedermeier vertreten und sorgte für Verunsicherung.
8.3. Was sagen neuere Erfahrungen und die Praxis?
a) Galvano besteht aus 99,9 % Feingold, das nahezu inert ist, d.h., dass es chemisch kaum oder garnicht mit anderen Substanzen reagiert.
Galvanokappen bestehen aus hochreinem Feingold, das:
- elektrochemisch sehr stabil ist
- kaum korrodiert
- biokompatibel ist
Gold steht in der elektrochemischen Spannungsreihe am oberen Ende und reagiert extrem wenig. Dadurch erzeugt Feingold praktisch keine relevanten galvanischen Ströme.
b) Moderne fachliche Einschätzung: die Kritik am Galvanismus ist überholt.
Langjährige klinische Erfahrung (25+ Jahre) zeigt, dass:
- Galvano-Prothetik keine auffälligen galvanischen Probleme verursacht
- das Argument des Galvanismus in der praktischen Anwendung nicht bestätigt wurde
- die ursprüngliche Kritik heute als unbegründet angesehen wird
c) Wichtiger Punkt: Galvanismus hängt von Metallkombinationen ab.
Oraler Galvanismus wird nicht durch Gold allein verursacht, sondern durch Kombinationen von Metallen mit großem Potentialunterschied, z. B.:
- Amalgam ↔ Edelmetalle
- Palladiumhaltige Legierungen ↔ Gold
- unedle Legierungen (z. B. NiCr) ↔ Gold
Galvanoteleskope werden jedoch überwiegend mit CoCr, Titan oder Zirkon als Primärmaterial kombiniert – Materialien mit sehr guter Korrosionsbeständigkeit. Somit ergibt sich kaum elektrochemisches Gefälle.
8.4. Wissenschaftlicher Kontext: Galvanische Ströme in der Zahnmedizin
Studien zum Thema „galvanische Effekte“ zeigen:
- galvanische oder korrosive Reaktionen können bei Metallmix grundsätzlich auftreten
- dies betrifft insbesondere unterschiedlich korrosionsanfällige Legierungen
Dies ist jedoch kein spezifisches Problem von Galvano-Teleskopen, sondern betrifft jede Form von Metallmischung im Mund.
8.5. Klare Schlussfolgerung für die Praxis
Das Argument „Galvanismus“ gegen Galvanoteleskope ist nach aktuellem Wissenstand weitgehend unbegründet.
Warum?
- Galvano besteht aus nahezu reinem Gold → elektrochemisch extrem stabil.
- Moderne klinische Erfahrung zeigt keine auffälligen galvanischen Probleme.
- Galvanismus entsteht eher bei problematischen Metallmischungen, die bei professionell geplanten Galvano-Versorgungen vermieden werden.
- CoCr, Titan und Zirkon (gängige Primärmaterialien) sind korrosionsbeständig und metallurgisch kompatibel.